23.04.2026

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Von der Jugendhilfe zum Unternehmer: Wie Fabian Paegel aus dem System ausbrach

Von der Kriseneinrichtung über Luxusflugzeuge zum Berliner Immobilienunternehmer: Fabian Paegel erzählt, wie ein Leben voller Brüche ihn zu einem der unkonventionellsten Köpfe der Maklerbranche gemacht hat.

Wer Fabian Paegel das erste Mal auf LinkedIn begegnet, denkt vielleicht: Wolf of Wall Street, Berliner Ausgabe. Großspurige Posts, provokante Aussagen, Immobilienmakler-Flair. Wer ihn aber in dieser Podcastfolge hört, versteht schnell: Hinter dem Instagram-Bravado steckt eine Geschichte, die sich kein Drehbuchautor hätte ausdenken können.

Mit 12 aus dem Elternhaus

Fabian Paegel zieht mit zwölf Jahren aus dem Elternhaus aus und landet in der Jugendhilfe. Was ihn dort formte, war weniger die Fürsorge des Systems als sein Kampf dagegen. Statt am Nintendo zu sitzen, las er sich durch das Sozialgesetzbuch SGB VIII, stellte juristische Einsprüche gegen das Jugendamt und fand Gesetzeslücken, die er kreativ ausschöpfte: zum Beispiel die Erstausstattungsregelung, mit der er dem Amt Bett, Kleiderschrank und Gardinenstange in Einzelanträgen abrang, bis die Sachbearbeiterin ihm den Beitragspflichtbescheid erließ.

„Wenn ich nicht sage, ich setze mich jetzt hin und arbeite, dann macht's keiner. In der Selbständigkeit ist es genauso", sagt Paegel heute.

Flugzeuge verkaufen mit 15, Kündigung mit Folgen

Durch puren Zufall landet der 15-Jährige bei einem Unternehmen, das Privatjets und einmotorige Luxusflugzeuge verkauft. Er beginnt eine Ausbildung, schwänzt regelmäßig, kommt chronisch zu spät – und wird gekündigt. Dass seine Ausbilderin ihn zwei Tage später anruft und fragt, warum er sich nicht gemeldet habe, ist einer der Wendepunkte, die Paegel bis heute beschäftigen.

„Seitdem bin ich beruflich so gut es geht nie wieder zu spät gekommen." Der Satz klingt banal, ist es aber nicht: Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, dem jemand zum ersten Mal klar macht, dass Aufgeben keine Option ist – nicht weil das System es verbietet, sondern weil er es sich selbst schuldet.

Dann kam Corona. Die Flugschule schloss, die Flugzeuglieferungen blieben aus, Kurzarbeit. Was für viele das Ende gewesen wäre, war für Fabian eine Atempause von wenigen Wochen – dann suchte er auf eBay Kleinanzeigen seinen nächsten Job.

Von der Steuerkanzlei zur GmbH – über eine Gesetzeslücke

In einer Steuerkanzlei im Berliner Charlottenburg lernt er, wie man Corona-Überbrückungshilfen ausarbeitet. Er verdient zehn bis fünfzehn Euro die Stunde. Und sieht, dass andere für dieselbe Arbeit das Zehnfache kassieren. Am Tag seines achtzehnten Geburtstags schreibt er die Kündigung und meldet ein Gewerbe an.

Die erste Unternehmensberatung läuft genau zwei Wochen gut, dann verschärft Berlin die Regeln: Nur noch Steuerberater, Notare und Buchhalter dürfen Hilfsanträge einreichen. Paegel's Reaktion: Er findet einen Steuerberater, der die Einreichung übernimmt, und behält 80 Prozent des Honorars. Die Krise als Gelegenheit – konsequent genutzt.

Mit dem Geld aus dieser Beratung will er eine Immobilie kaufen. Und trifft auf einen Makler, der ihn verarschen will. „Ohne dass der Makler da komplett scheiße war und mich verarschen wollte, hätte ich niemals gedacht: Machen wir besser, professioneller."

Die Immobilienbranche: Versifft, fluktuativ – und lukrativ, wenn man es richtig macht

Paegel scheut sich nicht, Tacheles zu reden über seine eigene Branche. „Du kannst heute deine Gewerbeanmeldung machen, deinen Schein beantragen – morgen bist du Makler." Diese niedrige Einstiegshürde sei der Grund, warum das Feld voll sei von Leuten, die keine Ahnung haben, was sie tun.

Sein Ansatz ist ein anderer: kein Wunschpreis, kein Versprechen, was sich nicht halten lässt. Stattdessen der Gutachterausschuss – ein öffentlich zugängliches Register aller beurkundeten Kaufpreise Berlins –, der dem Eigentümer zeigt, was seine Immobilie wirklich wert ist. Wer trotzdem mit einem überhöhten Preis auf den Markt will, bekommt ein freundliches „Dann probier's mal ohne uns." Sechs Monate später, so die Erfahrung, kommt der Rückruf.

Den Hamburger Standort hat er wieder aufgelöst. Grund: Es fehlten Leute, die genauso ticken wie er selbst. „Solange wir unseren Standortleiter nicht klonen können, bleiben wir bei einem Standort."

Vom Minus zur Million

Der Start des Maklerbüros war harte Realität: Fabian Paegel begann im Schuldenstand. Sein Alltag pendelte zwischen Besichtigungsterminen und Schuldnerberatung, Jobcenter-Klagen und Mahnungen vom Vermieter. Kein Cent auf dem Konto, täglich Frühstück und Abendessen bei der Oma.

„Die ganze Zeit hat sie mir erzählt: Such dir was Vernünftiges, mach was Gescheites." Er blieb. Und als der erste Deal kam – eine Wohnung nahe dem Kurfürstendamm, Kaufpreis knapp eine Million Euro, Provision 60.000 bis 70.000 Euro – steckte davon am Ende wenig in seiner Tasche. Schulden, Steuern, laufende Kosten. Vor zwei Wochen, so erzählt er im Podcast, hat er die letzte offene Einkommenssteuerforderung bezahlt. Nach Jahren ist er schuldenfrei.

Das erste vollständige Geschäftsjahr der GmbH: 10.000 Euro Gewinn. Das Ziel fürs Folgejahr, spontan ins Planungsdokument geschrieben: eine Million. Ergebnis: 800.000 Euro Umsatz.

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Wenn du mein Zeugnis schon als falsch siehst, würde dir meine Lebensgeschichte nicht gefallen.

Burnout mit 20

Irgendwann lag er nur noch im Bett. Schlief acht Stunden, wachte auf, war wieder müde. Im Krankenhaus durchgecheckt, körperlich nichts gefunden. Der Arzt sagte: Wenn er so weitermache, sei er in fünf bis zehn Jahren tot.

„Das war genug Ursache, um wirklich etwas zu ändern." Seitdem gilt: Wenn er abends zu Hause ist und nicht mehr will, macht er aus. Kein schlechtes Gewissen. Die Probleme sind morgen früh noch da.

Polarisieren als Geschäftsstrategie

Sein LinkedIn-Auftritt ist bewusst überdreht – und er gibt es offen zu. „Wenn du nicht auffällst, dann fällst du weg." Die Reichweite, die er durch provokante Posts aufgebaut hat, brachte ihm Eigentümeraufträge, Teammitglieder, Finanzierungspartner. Sein virulentester Beitrag: sein Schulzeugnis mit dem Notendurchschnitt 5,4. Über eine Viertelmillion Aufrufe, mehr als tausend Kommentare, dutzende Leute, die behaupten, das Zeugnis sei gefälscht.

„Wenn du mein Zeugnis schon als falsch siehst, würde dir meine Lebensgeschichte nicht gefallen."

Dabei betont er: Online und offline sind zwei verschiedene Menschen. Im echten Leben sponsert er den lokalen Fußballverein, organisiert Konzerte für Senioren, sitzt abends alleine mit einem Buch.

Was er mit 12 sagen würde

Wenn er seinem zwölfjährigen Ich begegnen könnte – dem Jungen, der gerade aus dem Elternhaus auszieht und in eine Kriseneinrichtung kommt –, was würde er sagen?

„Passt. Mach dein Ding. Mach's genauso."

Keine Korrektur, kein Bedauern. Jeder Rückschlag, jede geschlossene Tür, jede Kündigung war ein Schritt auf dem Weg dorthin, wo er heute steht. Und das, sagt er, macht er wirklich ernst.

Die vollständige Episode mit Fabian Pegel ist bei „Jungpleite Selbständig" auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar. Moderiert wird der Podcast von Kat, die Gründungsinteressierte mit echten Unternehmergeschichten zusammenbringt.

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