Der Weg vom Nerd zum erfolgreichen Gründer
Katharina Zieße Suari
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Tom Janson, bezeichnet sich selbst als "naiver Optimist". Nachdem ich seine Geschichte gehört habe, glaube ich: Genau das muss man sein, um direkt aus dem Studium heraus eine Tech-Beratung zu gründen. Sein Ziel ist es, den Unternehmen zu helfen, die bei der Digitalisierung bisher einfach nicht mitgekommen sind. Im Gespräch verrät der Mitgründer von AI Phase, wie aus seiner persönlichen Leidenschaft für Informatik und Automatisierung ein echtes Unternehmen wurde.
Der Funke im Studium: Mehr als nur Theorie
Toms Weg in die Tech-Welt begann klassisch: mit einem Wirtschaftsinformatik-Studium an der TU München. Doch während der Hörsaal vor allem theoretisches Wissen vermittelte, war es eine studentische Initiative, die den wahren Zündfunken lieferte. "Im Studium selber ist die Wahrscheinlichkeit nicht so hoch, dass du solche Menschen triffst", erklärt Tom. "Aber in solchen Initiativen, die auch darauf ausgelegt sind, dass du die gelernten Dinge anwendest, da ist das sehr sehr stark vertreten." Hier, im Umfeld von Gleichgesinnten, die nicht nur lernen, sondern machen wollten, fand er nicht nur die Inspiration, sondern auch seine späteren Mitgründer. Seine Faszination für KI entsprang dem Traum, repetitive und langweilige Aufgaben zu automatisieren – ein Gedanke, der ihn seit dem Informatikunterricht in der Schule nicht mehr losließ.
Was macht eine KI-Beratung? Ein Blick hinter die Kulissen
Die Mission von AI Phase ist schnell erklärt: Sie helfen "Hans Joachim aus dem mittelständischen Unternehmen", der die Digitalisierung verschlafen hat, den Anschluss nicht zu verlieren. Doch was bedeutet das konkret? Tom beschreibt es als das Erkennen und Heben von Potenzialen durch Automatisierung und KI. Ein einfaches Beispiel: Eingehende Kunden-Mails werden automatisch von einer KI zusammengefasst, die daraus eigenständig To-Do-Tickets für die Mitarbeiter erstellt.
Auf meine Frage, warum Unternehmen dafür eine Beratung brauchen und nicht einfach selbst ChatGPT nutzen, hat Tom eine klare Antwort: Datenschutz und Integration. AI Phase schafft eine Brücke zwischen den Sprachmodellen und den internen, sensiblen Unternehmensdaten – und das DSGVO-konform. "Den Chat[GPT], den die meisten Endnutzer benutzen, der hat ja keinen Zugriff auf deine privaten oder unternehmerischen Informationen. Ist ja auch gut so", stellt Tom klar.
"Du kannst deines Glückes Schmied sein. Das heißt also, wenn du dich dem Umfeld aussetzt [...], dann erhöhst du deine Chancen beträchtlich."
Agentic AI: Der persönliche Assistent für Unternehmen
Ein besonders spannendes Feld ist die sogenannte "Agentic AI". Hier geht es nicht mehr nur darum, einer KI einen Befehl zu geben, sondern darum, einen intelligenten Assistenten zu schaffen, der selbstständig agiert. Tom vergleicht es mit einem Sekretär, der das Unternehmen bereits kennt. Ein komplexer Anwendungsfall war die Optimierung eines riesigen Netzwerkgraphen für einen deutschen Internetanbieter. Der von AI Phase entwickelte "Agent" konnte das Netzwerk selbstständig überwachen, Engpässe erkennen und den Mitarbeitern ermöglichen, Szenarien durchzuspielen wie: "Was passiert, wenn die Antenne in Berlin ausfällt?"
Das Gründerteam: Glück, Timing und die perfekte Mischung
AI Phase wurde von vier Gründern ins Leben gerufen – eine Konstellation, die Tom heute als "perfekt aufgegangen" beschreibt. Das Team ist eine Mischung aus Spezialisten: Tom, der "Nerd", der die technische Leitung übernimmt; ein Kollege für Sales und Strategie; einer für Marketing und ein weiterer, der mit seiner Erfahrung aus der Beratung für professionelle Strukturen und das Finanzielle sorgt. Kennengelernt haben sie sich unter anderem in der bereits erwähnten Studenteninitiative. Tom betont, wie wichtig Glück bei der Teamfindung ist, aber auch, dass man "seines Glückes Schmied sein" kann, indem man sich aktiv in das richtige Umfeld begibt. Die vertragliche Bindung sei dabei enger als eine Ehe, wie der Notar scherzhaft anmerkte – ein Grund mehr, warum die Chemie stimmen muss.
Studium, Gründung, Werkstudentenjob: Der Spagat eines jungen Gründers
Wie schafft man es, ein Unternehmen aufzubauen, während man noch studiert und nebenbei Geld verdienen muss? Toms Antwort ist ehrlich: mit wenig Privatleben und guter Organisation. "Ich habe glaube ich im Schnitt in der Woche 40 Stunden nur für AI Phase gearbeitet", erzählt er. Dazu kamen 20 Stunden als Werkstudent, um den Lebensunterhalt zu sichern, und das Studium selbst. Die Lösung war, das Studium zu strecken. "Wer sein Studium liebt, der schiebt", sagt er lachend. Die Sorge, dass sich das negativ im Lebenslauf auswirkt, ist unbegründet – eine eigene Gründung ist die beste Rechtfertigung.
Ein Plädoyer für den naiven Optimismus: Toms Rat an Gründer
Was würde Tom anderen Gründungsinteressierten raten? Neben dem oft gehörten, aber wahren Mantra "einfach machen", hat er einen besonderen Tipp: "Es ist gut, wenn man naiv ist. Ich würde mich selber als naiven Optimisten bezeichnen." Gerade in der von Zweifeln geprägten deutschen Kultur sei es oft dieser unerschütterliche Optimismus, der Ideen durchsetzt, bei denen andere zögern. Er plädiert dafür, Risiken einzugehen und Scheitern nicht als Ende, sondern als Lernprozess zu sehen. "Es geht nicht darum, was funktioniert, es geht darum, dass du es versucht hast."








