Der deutsche Tony Stark verwandelt Plastik in 3D Druck Filament
Katharina Zieße Suari
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Im "Jung, Pleite, Selbstständig"-Podcast erzählt Milan von den Bussche die außergewöhnliche Geschichte, wie aus einem Schülerprojekt das Maschinenbauunternehmen QiTech entstand. Mit nur 22 Jahren führt er eine Firma, die sich mit Konkurrenten aus China und Amerika misst, angetrieben von unkonventionellen Methoden und einer klaren Vision.
Der Antrieb: Ein erfundener Krieg gegen das "Elite-Internat"
Die Wurzeln von QiTech liegen im Wettbewerb "Startup Teens". Doch der Antrieb des Teams war weniger der Sieg als vielmehr eine selbst geschaffene Rivalität. "Unser Konkurrent war ein Elite-Internat in Hessen, das immer jeden Wettbewerb gewonnen hat", erzählt Milan. "Und uns hat das so aufgeregt." Das Team aus dem Dorf-Gymnasium Oppenheim startete eine regelrechte Kampagne. Sie liehen sich Filmequipment im Wert von 20.000 Euro, drehten acht Tage lang und mobilisierten ihr ganzes Dorf unter dem Motto "Oppenheim gegen das Elite-Internat". Sie druckten sogar Plakate mit der Aufschrift "Schloss Hansenberg Eltern kaufen die Votes".
Der immense Aufwand zahlte sich aus: Sie gewannen. Die Ironie des Ganzen? "Turns out, das ist gar nicht bezahlt. Die sind eigentlich voll chillig", gibt Milan lachend zu. "Wir haben die auch später kennengelernt, die waren eigentlich voll nett." Doch dieser erfundene Kampfgeist brachte ihnen 10.000 Euro Preisgeld und damit das Startkapital für ihre Firma.
Die Philosophie: Iron Man als Vorbild
Die Inspiration für QiTech ist tief in der Popkultur verwurzelt. "Wir haben tatsächlich unser Startup nach Iron Man benannt", erklärt Milan. Die Firma hieß ursprünglich QiTech Industries GmbH, in Anlehnung an Tony Starks "Stark Industries". Ihre Produkte trugen den Namen "J.A.R.V.I.S.". Auch wenn sie die Namen aus markenrechtlichen Gründen ändern mussten, bleibt die Philosophie bestehen. "Was cool ist bei Iron Man, er hat ja keine Superkraft", sagt Milan. "Sondern er hat einfach hart gearbeitet, hat viel Geld und kann richtig was bewirken und baut Maschinen. Das ist quasi auch unsere Inspiration."
"Wenn Leute unsere Maschinenbaufirma sehen, denken sie, da haben bestimmt die Eltern gegönnt." - Milan von dem Bussche
Vom Tüftler zum BWL-Atzen: Die Transformation des Gründers
In den sieben Jahren seit der Gründung hat sich nicht nur die Firma, sondern auch Milans Rolle verändert. War er anfangs noch der Nerd, der die Software schrieb und an Maschinen tüftelte, wurde er nach eigener Aussage mittlerweile aus seinem eigenen Software-Team rausgeschmissen, weil die neuen, hochtalentierten Mitarbeiter einfach besser sind. "Wenn ich mit normalen Menschen unterwegs bin, dann bin ich voll der Nerd", sagt er. "Wenn ich aber in meine eigene Firma laufe, dann bin ich so der BWL-Atze, weil die alle mit 13 schon nen 3D-Drucker gebaut haben."
Diese Entwicklung bringt auch ihre Schattenseiten mit sich. Er fühlt sich älter als 22, vergleicht sein Aussehen mit Bildern von Barack Obama vor und nach seiner Amtszeit und merkt, wie er durch die enorme Verantwortung und die Jonglage mit großen Summen den Bezug zur Lebensrealität vieler seiner Altersgenossen verliert.
Die Vision: Ein Familienunternehmen statt schneller Exit
Trotz des Erfolgs und des Wachstums sieht sich Milan nicht in der typischen Startup-Bubble. Während viele Gründer von VC-Finanzierung, Skalierung und einem schnellen Verkauf träumen, hat er eine andere Vision: "Ich will das halt als Familienunternehmen die nächsten 60 Jahre machen, mir meine Halle in Oppenheim hinstellen und dann da meinen 300-Mann-Betrieb haben und da geile Maschinen bauen." Es ist dieser bodenständige, langfristige Traum, der QiTech und seinen Gründer so besonders macht – ein echtes Maschinenbau-Herz in der schnelllebigen Startup-Welt.








