Wenn Toiletten zur Werbefläche werden - die Story hinter LYFE.ads
Katharina Zieße Suari
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Was tust du, wenn du auf einem wichtigen Networking-Event bist, kurz davor, mit Investoren und Partnern zu sprechen, und plötzlich deine Periode bekommst – aber keine Tampons dabei hast? Für die meisten wäre das eine unangenehme, aber private Unannehmlichkeit. Für Pheline, die Gründerin von LYFE.ads, war es der zündende Funke für eine Geschäftsidee, die ein gesellschaftliches Tabu aufbrechen und gleichzeitig eine neue Werbefläche schaffen will. In dieser Podcastfolge erzählt sie ihre außergewöhnliche Gründungsgeschichte.
Vom persönlichen Notfall zur Gründungsidee
Phelines Reise in die Startup-Welt war unerwartet und sehr persönlich. Inspiriert von der amerikanischen Idee des "Free Water", bei dem Wasserflaschen durch Werbung finanziert werden, spielte sie bereits mit ähnlichen Konzepten. Die wahre Idee kam ihr jedoch in einem Moment der Not. Auf einem Networking-Event musste sie feststellen, dass sie keine Tampons dabeihatte und nirgends welche aufzutreiben waren. "Ich saß in der U-Bahn und war so, es kann eigentlich nicht sein, dass wir 2024 haben und ich jetzt gerade heimfahren muss, weil ich eine Frau bin", erinnert sie sich im Podcast. In diesem Moment wurde die Vision klar: "Gratis Wasser ist schon cool, aber gratis Tampons wäre halt der Wahnsinn."
"Es kann nicht sein, dass wir 2024 haben und ich jetzt Heim fahren muss, weil ich eine Frau bin." - Pheline Huber
Vom Sticker-Prototyp zum ersten Partner
Gesagt, getan. Doch der Anfang war von Unsicherheit geprägt. Würden Marken überhaupt auf Tamponschachteln werben wollen? Pheline ließ sich nicht entmutigen und ging pragmatisch vor. Sie bestellte weiße Muster-Schachteln, druckte die Logos potenzieller Kunden auf Sticker und klebte sie von Hand auf. Mit diesen "richtig hässlichen" Prototypen lief sie auf der "Bits & Pretzels"-Messe von Stand zu Stand und präsentierte ihre Idee. Der Zuspruch war da, doch die nächste Hürde war, einen Hersteller zu finden. Ein entscheidender Motivationsschub kam bei einer Wanderung mit anderen Gründern: "Der eine haut raus, er baut gerade Data Center im Weltraum, der andere baut einen Roboter, der Weltraumschrott einsammelt. Und ich bin echt heimgegangen und dachte mir, es muss möglich sein, dass ein Tampon-Hersteller mit mir zusammenarbeiten will." Am nächsten Tag hatte sie ihre Kooperation.
Eine Vision, die über Tampons hinausgeht
Das beeindruckendste an Phelines Geschichte ist ihre klare Vision. Sie will nicht nur ein Problem lösen, sondern einen neuen Standard setzen. Ihr Ziel ist es, dass jede öffentliche Toilette mit gratis Tamponspendern ausgestattet ist und sich Tampons als relevante Werbefläche etablieren. "Du kommst in einer Situation auf einer Toilette, wo halt keine Werbung ist. Wir bringen Werbung einfach da rein, wo du mal wieder Ruhe hast", erklärt sie die Stärke ihres Konzepts. Langfristig sollen auch andere sinnstiftende Produkte wie Binden, Sonnencreme oder Windeln folgen. Heute, nur drei Monate nach dem offiziellen Start, gibt es bereits 17 Standorte in München, und die Nachfrage wächst stetig. Pheline ist das perfekte Beispiel dafür, wie man aus einem persönlichen Problem eine Mission machen kann, die nicht nur das eigene Projekt, sondern auch die Gesellschaft voranbringt.
Im Podcast gibt Pheline tiefe Einblicke in die Herausforderungen bei der Partnerakquise, den Umgang mit skurrilen Kundenanfragen und ihre Zukunftspläne für digitale Spender. Ihre Geschichte ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie man mit Mut, Kreativität und einer starken Vision in kürzester Zeit ein Unternehmen mit echtem Impact aufbauen kann.








